Freie Suchmaschinen sind bei meiner Recherche die letzte Option

Recherchetechniken über Google hinaus

Frau Fürst van der Quast, Sie sind Inhaberin einer Privatdetektei in der Schweiz. Wie gehen Sie üblicherweise bei der Aufnahme Ihrer Ermittlungen vor?

Ich prüfe grundsätzlich zunächst, ob die anfragende Person ein berechtigtes Interesse vorweisen kann und eine Ermittlung in dem jeweiligen Fall statthaft wäre. Ich kann Ihnen ein paar Beispiele für zulässige Anfragen mit berechtigtem Interesse nennen, damit Sie sich ein besseres Bild von meinem Einsatzgebiet verschaffen können.

  • Eine Bank möchte vor der Aufnahme einer Geschäftsbeziehung ein Unternehmen oder eine Person auf mögliche vergangene Insolvenzen überprüfen lassen.
  • Ein Arbeitgeber möchte bei der Auswahl eines neuen Vorstandsmitglieds auf Nummer sicher gehen und über die Vergangenheit eines Bewerbers bezüglich möglicher krimineller Handlungen o.ä. informiert sein.
  • Ein Anteilseigner von Firmenaktien möchte das Verhalten der entsprechenden Firma bezüglich des Umgangs mit Finanzen oder auf mögliche Scheinfirmen überprüfen lassen.
  • Eine Rederei vermisst ein Schiff.

Ist ein solches berechtigtes Interesse vorhanden, prüfe ich die rechtliche Sachlage zu dem Fall und betrachte ihn auch aus ethischen Gesichtspunkten. Dabei analysiere ich die möglichen Konsequenzen für die Zielperson im Falle einer erfolgreichen Ermittlung. Es gab beispielsweise in der Vergangenheit einen Fall in der Schweiz, bei dem eine Detektei die gesuchte Zielperson auffinden konnte und diese kurz darauf getötet wurde. Ich versuche daher durch Vorrecherchen zum Fall und auch zu der anfragenden Person selbst immer ein solches Risiko möglichst auszuschließen.

Fällt die Abklärung aller Kriterien positiv aus, nehme ich den Fall an und beginne mit den Ermittlungen.

Im Rahmen Ihrer Ermittlungen sind Sie auf relevante und valide Informationen angewiesen. Wie gehen Sie dabei vor?

Die Ermittlungen finden immer in zwei Schritten statt. Der erste Schritt ist die Schreibtisch-Recherche, für die ich immer sehr viel Zeit verwende. Denn sie schafft eine wichtige Grundlage sowie Strukturen für den jeweils vorliegenden Fall. Der zweite Schritt ist die Feldrecherche.

Bei der Schreibtisch-Recherche verschaffe ich mir erst einmal einen Überblick über die wichtigsten Aspekte und das Ziel des Falls. Ich überprüfe zum Beispiel, ob die Zielperson in bestimmten Netzwerken aktiv ist oder ob es noch andere beteiligte Personen gibt. Wichtig ist dabei, herauszufinden, ob die Person Verknüpfungen zu verdächtigen Gesellschaften, Vereinigungen oder anderen Personen hat.

Über die Zielperson selbst führe ich Vergangenheitsrecherchen durch, bei denen ich prüfe, ob sie bereits mit kriminellen Aktivitäten wie Drogenhandel oder nicht integrer Geschäftsführung in Verbindung stand. So kann ich die Person besser einschätzen und auch mich selber besser bei potenziell gewalttätigen Personen schützen.

Ich überprüfe auch, ob die Informationen, die ich vom Auftraggeber erhalten habe, korrekt sind. Dies ist nicht immer (unbewusst oder auch bewusst) der Fall und ich möchte vermeiden, dass Ermittlungsarbeit anfällt, die auf Fehlinformationen basiert und somit eventuell nicht erfolgreich wäre. Bei dieser Vor-Recherche verlasse ich mich auf professionelle, nicht öffentliche Datenbanken wie LexisNexis und öffentliche, staatlich geführte Register.

Im oben genannten Fall des vermissten Schiffes einer Rederei würde ich also zunächst einmal prüfen, ob dieses Schiff tatsächlich existiert hat und ob die Angaben der Reederei zur letzten bekannten Anlegestelle korrekt sind. Schließlich könnte es sich theoretisch auch um einen Versicherungsbetrug handeln. Im Falle des vermissten Schiffes, spreche ich zum Beispiel auch direkt mit zuständigen Hafenbehörden.

Freie Online-Suchmaschinen wie Google oder auch freie private Wirtschaftsregister sind für mich nur die letzte Option. Sie können zwar einen einfachen und schnellen Überblick über bestimmte Themen bieten, jedoch müssen alle so gewonnenen Informationen überprüft werden. Zu hoch ist das Risiko, fehlerhafte Information zu erhalten, da freie Suchmaschinen sehr leicht manipuliert werden können.

Nachdem ich in der sorgfältigen Vorbereitung gewisse Regeln und Rahmenbedingungen geklärt habe, erfolgt die Feldrecherche. Würde man auf diese vorbereitenden Planungen verzichten und direkt mit der Feldrecherche beginnen, bestünde die Gefahr, zu unstrukturiert an den Fall heranzugehen. Letztendlich müsste der Kunde in so einem Fall für den erhöhten Arbeitsaufwand aufkommen. Bei den Vor-Ort-Recherchen validiere ich die zuvor gewonnenen Informationen und überprüfe beispielsweise, ob ein Zielunternehmen unter einer konkreten Adresse tatsächlich ansässig ist. Bei diesem Schritt stellt sich auch heraus, ob noch weitere, bisher nicht bedachte Akteure involviert sind.

In Ihrer Branche der Sicherheitsdienstleister gibt es in der Schweiz gerade einen Umbruch. So kann schon bald jeder durch einen kurzen Lehrgang einen Abschluss in diesem Bereich erlangen. Andere Fachkräfte der Branche haben hingegen einen Universitätsabschluss. Welche Konsequenzen hat diese unterschiedliche Art der Ausbildung für Ihren Beruf?

Die Lage in der Schweiz ist für meinen Berufsstand momentan etwas kompliziert. Gemäß der aktuellen Gesetzgebung ist es in der Tat jedem, der in der Sicherheitsbranche tätig ist, erlaubt, Detektivarbeit zu leisten. Aktuell gibt es nur wenige Kantone, welche eine Genehmigungspflicht haben, und noch weniger, welche eine Prüfung fordern. Mittlerweile hat die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) ein Konkordat in der deutschen Schweiz über private Sicherheitsdienstleister verfasst, welches am 1. Januar 2017 in Kraft treten wird. Ab diesem Zeitpunkt muss jede Person, welche in irgendeiner Form eine private Sicherheitsdienstleistung ausführt, eine Grundprüfung absolvieren. Ein Lehrgang ist zurzeit also noch nicht vollständig ausgestaltet.

Gemäß einem aktuellen Zwischenbericht der KKJPD wurde offenbar erkannt, dass Anbieter von Spezialdienstleistungen wie Ermittlungsarbeiten nebst der Grundausbildung zusätzliche Prüfungen ablegen sollten. Diese Entwicklung ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Denn für private Ermittler ist es zwingend notwendig, die Gesetzgebung zu kennen und zu verstehen, sowie über den richtigen Umgang mit höchst vertraulichen Informationen Bescheid zu wissen. Jedoch schließt die Formulierung „Ermittlungsarbeit" prinzipiell auch Anwaltskanzleien oder Wirtschaftsauskunfteien mit ein.

Prüfungen respektive Bewilligungen, die europaweit gelten, wäre meines Erachtens hier die richtige Lösung gewesen. Insgesamt ist es für unsere europäischen Auftraggeber zunehmend komplizierter geworden, einen professionellen und seriösen Detektiv zu engagieren.

Welche Empfehlung können Sie Unternehmen in Hinblick auf die Auswahl des richtigen Investigationsdienstleisters geben?

Unternehmen treten zum Beispiel an mich heran, wenn Sie Mitarbeiter oder Geschäftspartner überprüfen wollen. Vor kurzem hatte ich auch einen Fall, in dem ein Unternehmen schikaniert und bedroht wurde und den Täter identifizieren wollte. Unternehmen, die in solchen oder ähnlichen Fällen eine Detektei beauftragen wollen, sollten die Ergebnisse von Online-Recherchen und Informationen auf Unternehmenswebsites mit Vorsicht genießen. Oft versuchen Detekteien auf ihren Websites durch die Erwähnung umfassender Tätigkeitsbereiche darüber hinwegzutäuschen, dass es sich tatsächlich nur um eine One-Man-Show handelt, ohne dass sie Informationen über eine entsprechende Ausbildung geben. Auch Online-Bewertungsportalen sollten Sie nicht trauen, da diese durch gefälschte Einträge beeinflusst sein können.

Informieren Sie sich stattdessen wenn möglich über Firmendatenbanken über die tatsächliche Situation eines Investigationsdienstleisters. Nehmen Sie außerdem persönlich Kontakt auf. Stellen Sie telefonisch Fragen, die eventuelle schwarze Schafe als solche entlarven könnten.

Lassen Sie sich Referenzen geben. Auch in dieser diskreten Branche ist das nach Rücksprache mit dem Kunden überhaupt kein Problem. Kann das Unternehmen keine Referenzen nennen, sollten sie hellhörig werden!

Bevor Sie jemanden beauftragen, der für Sie Informationen einholen soll, erledigen Sie selbst etwas Vorarbeit und beschaffen Sie sich Informationen über die Detektei selbst. Gerade in der Sicherheitsbranche müssen Kunden auch die Sicherheit haben, mit einem seriösen Unternehmen zusammenzuarbeiten.

Zur Person

Marianne Fürst van der Quast ist seit 2012 selbständig als Private Ermittlerin sowie Sicherheits- und Risiko Managerin. Ihr Studium im Bereich Security and Risk Management absolvierte sie an der University of Leicester (UK) und bildete sich später auch im Fachbereich Compliance weiter.

Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Ermittlungstätigkeiten zur Erlangung von Beweisen gegen Übel- und Straftäter sowie Sicherheitsmaßnahmen im Dienste der betroffenen Firmen und Privatpersonen.

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