Sag mir, wer deine Lieferanten sind und ich sage dir, ob ich mit dir zusammenarbeiten kann.

Foto Mirko Loos, Director Global Procurement, LexisNexis

Vor kurzem habe ich an einem Webinar von LexisNexis zum Thema „Third-Party Due Diligence" teilgenommen. Darin wurde den Teilnehmern noch einmal verdeutlicht, warum es wichtig ist, dass Unternehmen ihre Lieferanten überprüfen. Die Infos waren nicht alle neu, aber es war sehr hilfreich das alles noch einmal konsolidiert zu hören.

Herr Loos, was sind die Treiber für die Lieferantenüberprüfung?

Zu sagen man kenne seine Lieferanten, reicht heute mitunter nicht mehr aus. Eine Lieferantenüberprüfung (zum Beispiel vor Vergabe) muss im Einzelfall auch die Lieferantenkette (zum Beispiel Tier-2 oder Tier-3) mit abdecken. In jedem Fall bei Unbekannten in der Lieferantenkette reicht es nicht aus, die Ausfallsicherheit zu überprüfen. Wir wollen und müssen ggf. auch sicherstellen, dass wir keinen Lieferanten in unserem Portfolio haben, der zum Beispiel mit einem Unternehmen kooperiert, das wiederum Waffenlieferungen in ein Krisengebiet durchführt. Oder nehmen wir den aktuellen Fall der RWE AG, die laut Medienberichten über einen externen Sicherheitsdienst wieder mit einem als Sub-Lieferant beauftragten Sicherheitsdienst arbeiten soll, den sie aufgrund seines Vorgehens selbst von ihrer Lieferantenliste ausgeschlossen hatte.1

Folgende Haupttreiber machen eine gründliche Due Diligence Prüfung von Lieferanten (KYS: Know Your Suppliers) und bisweilen sogar deren Lieferanten (KYSS: Know Your Supplier's Supplier) erforderlich:

  • Einhaltung nationaler und internationaler Compliance-Gesetze und -Richtlinien, zum Schutz vor Strafzahlungen in existenzbedrohender Höhe, aber auch zum Erhalt der eigenen Wettbewerbsfähigkeit, da zum Beispiel öffentliche Auftraggeber wissen wollen, ob man selbst eine Compliance-Richtlinie besitzt und auch Compliance Reports veröffentlicht.
  • Zudem wollen wir auch in Bezug auf unsere eigenen Kunden und unsere Unternehmensreputation erreichen, dass unser Firmenname frei von negativen Schlagzeilen bleibt.

Dem Einkauf kommt hierbei mehr Bedeutung zu. Wir können das durch den effektiven Einsatz von Due Diligence positiv beeinflussen, und es war gut, das noch einmal verdeutlicht bekommen zu haben.

Gelten für Dienstleistungsunternehmen die gleichen Maßstäbe wie für das produzierende Gewerbe?

In dem Vortrag konnten wir anhand von Grafiken auch sehen, dass sich sehr viele „Fälle" auf Unternehmen der verarbeitenden Industrie beziehen. Aber man erkennt schnell, dass auch von Geschäftspartnern aus dem Bereich der indirekten Kosten Geschäftsrisiken ausgehen können. Da wären zum Beispiel:

  • Services (zum Beispiel Professional, Legal oder Financial Services)
  • Marketing
  • Travel & Meetings
  • Fuhrpark
  • Facilities
  • IT
  • MRO
  • Utilities

Was sind die wesentlichen Parameter für Due Diligence Checks?

Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Prozess implementieren und seine eigenen Parameter definieren. Auch müssen die Investitionen in den Prozess zielführend erscheinen. Die Fragen, die sich jeder Einkäufer für sein Unternehmen stellen sollte, sind zum Beispiel:

  • Was ist der Mehrwert der Investition in eine Due Diligence Lösung für das eigene Unternehmen?
  • Mit Blick auf eine Länderrisiko-Weltkarte, arbeitet mein Unternehmen viel mit Lieferanten aus Ländern mit besonders hohem Compliance-Risiko?
  • Deckt meine Due Diligence Lösung den Bedarf an zusätzlichen Prüfungen in diesen Ländern ab?
  • Unterscheidet mein Prozess die unterschiedlichen Bedarfe?
  • Wer steuert das intern?

LexisNexis hatte die folgenden Maßnahmen im Due Diligence Prozess empfohlen:

  • Standard-Fragebogen, der vom Lieferant auszufüllen ist und in dem zum Beispiel finanzielle, juristische oder umweltbezogene Fragen gestellt werden; dieser sollte auch das Länderrisiko abfragen
  • Credit-Scoring, um die Ausfallwahrscheinlichkeit des Lieferanten zu ermitteln
  • Negative News Alerts, um sicherzustellen, dass der Lieferant nicht mit Wirtschaftskriminalität oder anderen kritischen Themen in Verbindung gebracht wird
  • Persönliche Interviews, um die Leistungsfähigkeit zu überprüfen
  • Regelmäßige Audits, um sich abzusichern, dass erforderliche Auflagen zum Beispiel in Hinblick auf Brand- und Arbeitsschutz eingehalten werden

Das von mir gesehene Webinar finden Sie hier: Why Due Diligence Matters: How Third Parties Increase Compliance Risk for Global Businesses. Vielleicht kommen Sie zu den gleichen Erkenntnissen wie ich.

Zur Person

Mirko Loos ist Director Global Procurement und seit 2007 bei der RELX Group (früher Reed Elsevier) im Einkauf tätig. Aus der Automobilwirtschaft kommend, leitete er zunächst den regionalen Einkauf der Gruppe in Deutschland, Österreich sowie Polen und auch Kanada. Ende 2010 übernahm er als Director im Global Procurement die Leitung einer globalen Category. Er studierte an der Privaten Fachhochschule Göttingen Betriebswirtschaftslehre.


1 http://www1.wdr.de/themen/aktuell/garzweiler-security-100.html

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