So finden Sie den richtigen Investor bei Insolvenzverfahren

M&A-Prozesse auf Basis valider Daten erfolgreich abschließen

Jung Burkhard, hww Unternehmensberater

Herr Jung, die hww Unternehmensberater GmbH ist Teil der hww-Gruppe, einer Dienstleistungsgesellschaft für Rechtsberatung, Restrukturierung sowie Insolvenz- und Zwangsverwaltung. Wann werden Ihre Beratungsleistungen im Rahmen von Mergers & Acquisitions-Prozessen (M&A) in der Regel angefragt?

Jung: Dienstleister wie hww werden im Rahmen von M&A-Prozessen sehr häufig von den jeweiligen vorläufigen Insolvenzverwaltern angefragt. Nachdem sie durch das Gericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurden, verschaffen sie sich in einem ersten Schritt einen Überblick über das Unternehmen, für welches Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt wurde. Dabei stellt sich – neben der Stabilisierung des Geschäftsbetriebes – immer auch die Frage, ob eine Fortführungsfähigkeit gegeben ist und ob eine Investorensuche grundsätzlich Aussicht auf Erfolg verspricht. Wenn diese Einschätzung positiv ausfällt, kommt hww ins Spiel.

Im Zusammenwirken mit den Gesellschaften werden Dienstleister wie hww angefragt, um einen professionellen und transparenten M&A-Prozess aufzusetzen.

Seit Einführung des ESUG, dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen, kommen aber auch häufiger direkte Vorschläge von professionellen Gläubigervertretern, die beispielsweise in vorläufigen Gläubigerausschüssen die professionelle Vertretung von Großgläubigern übernehmen.

Um einen faires und offenes Verfahren bei der Vergabe der Beratungsmandate im Rahmen von Transaktionsprozessen zu gewährleisten, kommt es regelmäßig zu sogenannten Pitch-Situationen, in welchen die Beratungsgesellschaften aufgefordert werden, Angebote zur Transaktionsberatung abzugeben.

Wir nutzen in diesen Situationen dann Marktrecherchetools wie Nexis®, um einen möglichst umfassenden Überblick über das betroffene Zielunternehmen und dessen Marktumfeld zu erhalten. So sind wir in der Lage, einen Plan zu erarbeiten, wie in dem konkreten M&A-Prozess ein geeigneter Investor aussehen und gefunden werden kann. So bereiten wir nicht nur bereits den anstehenden Investorenprozess vor, der aufgrund der Insolvenzsituation nicht selten unter erheblichem Zeitdruck steht, sondern können auch ein dezidiertes und erfolgsversprechendes Konzept mit der Abgabe unseres Angebotes vorlegen.

Wie identifizieren Sie im Rahmen Ihrer M&A-Prozesse die möglichen Transaktionspartner?

Jung: Wie beschrieben beginnen wir schon bei der Anfrage mit der ersten Analyse und Recherche des Marktumfeldes. Dabei erhalten wir auch durch die breite Datenbasis von Nexis® bereits einen guten Überblick über die Marktsituation des Unternehmens und die wesentlichen Marktbegleiter.

Daraus leiten wir zum einen eine Strategie zur richtigen Positionierung des Zielunternehmens im Markt und zum anderen geeignete Kriterien zur Eingrenzung potentieller Investoren ab. Als mögliche Interessenten gelten Wettbewerber. Aber auch mögliche horizontale und vertikale Diversifikationsstrategien von Unternehmen werden in die Recherche einbezogen. So können zum Beispiel Kunden und Lieferanten, die durch einen Unternehmenszukauf ihre eigene Wertschöpfung erweitern, ihre Marktposition stärken. Auch Unternehmen, die ihre eigene Lieferkette sichern wollen, kommen als potentielle Investoren infrage.

Im Ergebnis erhalten wir einen Kriterienkatalog zur datenbankgestützten Recherche. Durch die Analyse identifizieren wir Schlagworte, Branchencodes, Finanz- und Leistungskennzahlen und können überdies auch regionale Kriterien einfließen lassen.

Mit der gezielten Abfrage der in Nexis® bereitgestellten Firmendatenbanken wie Creditreform, Bisnode (ehemals Hoppenstedt), Bürgel oder Dun & Bradstreet erstellen wir eine erste Basis für eine Longlist, auf welcher wir unsere weiteren Recherchen und Eingrenzungen aufsetzen können. Darüber hinaus suchen wir auch Investoren aus unserem eigenen Netzwerk, die sich zum Beispiel in neuen Branchen etablieren wollen. Zudem beraten wir uns von Beginn an mit Branchenexperten über potentielle Investoren.

Sie benötigen Informationen zum Teil sehr kurzfristig – Stichwort „Distressed-M&A-Verfahren". Wie gehen Sie vor, um nichts Wichtiges zu übersehen?

Jung: Wenn ein Geschäftsbetrieb im Insolvenzverfahren über einen Verkauf saniert werden soll, haben wir sehr häufig nur acht bis zwölf Wochen Zeit, um einen Investor zu finden.

Funktionen wie die Schlagwortsuche oder Branchencodes in Nexis® helfen uns, schnell eine breite Basis für eine Longlist möglicher Interessenten zusammenzustellen. Diese Liste kann zunächst durchaus mehr als 3.000 Unternehmen oder gar mehr beinhalten. Daraus identifizieren wir durch Nachrecherchen die Unternehmen, die als potentielle Investoren infrage kommen.

Je nach Vorgehensweise wird diese Basis dann in Abstimmung mit unserem Mandanten adjustiert. Da die Kriterien frühzeitig definiert und im System hinterlegt werden können, benötigt die Identifikation potentieller Investoren nur wenige Tage.

Einen weiteren wichtigen Aspekt stellt die Möglichkeit der Recherche der Gesellschafts- und Gesellschafterstrukturen über die Creditreform-Datenbank und Bisnode-Konzernstrukturen dar. Über diese Rechercheoption lassen sich häufig weitere interessante Investoren und Marktverbindungen identifizieren.

Welchen weiteren Herausforderungen müssen Sie sich bei der Informationsbeschaffung während eines M&A-Prozesses stellen?

Jung: Eine der wesentlichen Herausforderungen stellt die Erstellung von Peer-Group-Analysen dar, sowohl im Rahmen der Investorenrecherche als auch bei der Identifikation von Sanierungspotentialen für das Zielunternehmen. Glücklicherweise können wir uns auch dabei auf die Daten von LexisNexis verlassen. So erhalten wir schnell einen Eindruck über die Marktsituation des Zielunternehmens und können erste Sanierungsansätze formulieren und in den Investorenprozess einbringen. Dies erhöht maßgeblich die Chancen für einen erfolgreichen Abschluss.

Auch stehen wir regelmäßig vor der Herausforderung, die Motive der Interessenten in einem Investorenprozess zu identifizieren. Es kann schon einmal vorkommen, dass sich ein potentieller Kaufinteressent finanziell oder organisatorisch überschätzt oder ein Wettbewerber ohne wirkliches Kaufinteresse an vertrauliche Unternehmensinformationen des Zielunternehmens gelangen will. Um auch hier eine bessere Einschätzung treffen und Informationen validieren zu können, greifen wir regelmäßig auf Nexis® zurück und erhalten so eine verlässliche Informationsbasis, auf der wir weiter aufsetzen können.

Weitere Informationen darüber, wie die hww Unternehmensberater GmbH das Recherche-Tool Nexis® für M&A Prozesse nutzt, erfahren Sie in unserem Fallbeispiel.


Zur Person

Burkhard Jung ist Partner bei hww hermann wienberg wilhelm und Geschäftsführer der hww Unternehmensberater GmbH. Er verfügt über langjährige, in zahlreichen Beratungsmandaten und Insolvenzverfahren erworbene, umfassende Erfahrungen in der außergerichtlichen Sanierung und in der Sanierung in der Insolvenz (Regel-, Eigenverwaltungs- oder Schutzschirmverfahren). Burkhard Jung ist Vorsitzender des Fachverbandes Sanierungs- und Insolvenzberatung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU e. V. und Sanierungsberater CMC/BDU.

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