PEP-Überprüfung: Quo vadis?

Interview Dr. Melitta Cabai

Frau Cabai, info4c bietet maßgeschneiderte Compliance Informationen. Eine Ihrer maßgeblichen Lösungen ist PEP Desk™, eine Datenbank mit Politisch Exponierten Personen (PEP). Warum ist es nötig, zu prüfen, ob es sich bei einem Geschäftskontakt um eine PEP handelt?

Es gibt zahlreiche nationale und internationale Gesetze und Verordnungen zur Prävention von Geldwäsche (Anti-Money Laundering – AML) sowie Bestechung und Korruption (Anti Bribery and Corruption – ABC), aufgrund derer Unternehmen verpflichtet sind, entsprechende Compliance-Maßnahmen zu implementieren und ihre Geschäftspartner und Kunden im Hinblick auf einen PEP-Status zu überprüfen. Dies betrifft gleichermaßen private wie öffentliche Organisationen, Finanzdienstleister wie auch das produzierende und Dienstleitungsgewerbe.

Was PEPs betrifft, so geht man davon aus, dass diese Personen aufgrund ihres Status besonders oft als Zielgruppe von Bestechungsgeldern gelten oder sogar aktiv im Bereich der Geldwäsche involviert sind. Dies ist das Ergebnis von Studien und Untersuchungen der FATF (Financial Action Task Force) und gilt insbesondere in grenzüberschreitenden Szenarien.

Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Herausforderungen für Unternehmen in diesem Kontext?

Eine Schwierigkeit liegt darin, dass es keine weltweit, für alle Länder maßgebliche legislative Institution und auch keine einheitlich gültige Definition einer PEP gibt. Jedoch hat sich die FATF in den letzten Jahren als richtungsweisende Instanz auf diesem Gebiet entwickelt.

Gerade aus dem Privatsektor wurden vermehrt Rückmeldungen an die FATF herangetragen, die Definition von und Anforderungen an PEP, ihre Familienmitglieder und verbundenen Unternehmen zu vereinheitlichen. So wurde beispielsweise gefordert, dass man den gleichen risiko-basierten Ansatz bei ausländischen wie inländischen PEP anwendet.

Auch nach gründlicher Überprüfung der Einwände und Untersuchungen kommt die FATF zum Schluss, dass eine einheitliche, für alle Länder gültige Definition von PEP nicht möglich ist. Zu groß sind die Unterschiede zwischen den Ländern in Hinblick auf Kultur und Risiken.

Die FATF wird aber weiter an der Überarbeitung der Richtlinien arbeiten.

Wie ist Ihre Einschätzung, dass es keine verbindliche Definition von PEP gibt?

Wir würden es für unsere Kunden – vor allem die global agierenden – sehr begrüßen, wenn die Richtlinien und Bestimmungen einheitlich und präziser in der Auslegung wären. Das würde ihnen die Arbeit erleichtern.

Zurzeit ist es ja so, dass zum Beispiel die Definition in der Schweiz die Thematik grundsätzlich abdeckt, für EU-Länder ist sie jedoch etwas spezifischer. Generell bleibt immer noch Spielraum für Interpretationen.

Unser Ziel ist es, dass wir intensiv einen Beitrag zu den Gesprächen leisten und an der Entwicklung neuer Konzepte und Ansätze mitarbeiten. Durch den Austausch mit unseren Kunden kennen wir deren Bedürfnisse und wollen diese in die Diskussion einbringen.

Zur Person:

Dr. Melitta Cabai ist seit mehr als 10 Jahren CEO der info4c AG, Schweiz. Sie war vorher in Senior Positionen in den Bereichen Aktuariat, Kreditrisiko und integriertes Risikomanagement bei Zurich Financial Services, UBS und Allianz tätig. Dr. Cabai hält Abschlüsse in Statistik und Versicherungsmathematik (Italien und UK), absolvierte die staatliche Prüfung für Aktuare in Italien und machte einen MBA (mit Auszeichnung) in Finanz und International Business an der Columbia University in New York (USA). Dr. Cabai ist Mitglied des italienischen „Consiglio Nazionale degli Attuari".

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