Quellen und Recherchetechniken über Google hinaus

Zeitungen - Interview Weissenberger

Frau Weissenberger, Sie sind Geschäftsführerin bei der i2k services GmbH. Sie weisen auf Ihrer Website explizit darauf hin, dass Ihre Quellen und Recherchetechniken weit über Google hinausgehen. Warum ist diese Aussage für Sie so wichtig?

Öffentliche Suchmaschinen wie Google oder Bing sind für „ernsthafte" Recherchen keine allumfassende Informationsquelle. Viele denken beim Recherchieren im Internet, dass ihnen über Suchmaschinen wie Google alle frei verfügbaren Informationen zugänglich sind. Das ist jedoch nicht der Fall. Suchmaschinen sind Datenbanken mit Verweisen zu Webseiten bzw. zu deren Inhalten. Sie sind Hilfsmittel, frei zugängliche Informationen im Internet „aufzustöbern", vergleichbar in etwa mit der Funktion von Katalogen in einer Bibliothek. Eine Suchmaschine indexiert die eigene riesige Datenbank von Webseiten, Dokumenten, Bildern, Büchern. Nicht etwa „das Internet" oder gar „das Wissen der Welt".

Welche kostenpflichtige Datenbank oder sonstige Quelle sinnvollerweise für die Recherche zusätzlich zum „googeln" genutzt wird, hängt sehr stark davon ab, wofür man die Informationen benötigt. Sobald es über einen groben Überblick hinausgeht und oder die Informationen für strategische Entscheidungen benötigt werden, reichen öffentliche Suchmaschinen meist nicht mehr aus. Dafür benötigt man zusätzlich auch Daten, die nicht öffentlich / frei zugänglich sind, wie zum Beispiel Firmeninformationen oder lizensierte und archivierte Pressequellen wie z. B. die bei Nexis®. Häufig ist es auch hilfreich, mit Autoren, Mitarbeitern bei Verbänden oder sonstigen Experten zu sprechen.

Da ich das Recherchieren gelernt habe, bevor das Internet außerhalb wissenschaftlicher Fachkreise verbreitet war, gehe ich an Fragestellungen in einer bestimmten Weise heran. Ich überlege immer: Wer könnte das wissen, in welcher Quelle sind diese Informationen vermutlich am besten zu finden, wie packe ich das systematisch an besten an? Manchmal ist dann eine Internetrecherche der Einstieg, häufig aber auch nicht.

Als Basis für eine erfolgreiche Recherche beschreiben Sie auch das Briefing-Gespräch mit Ihren Kunden. Haben Sie Empfehlungen, wie man als Informationsprofi sicherstellen kann, dass Auftraggeber und Auftragnehmer von den gleichen Bedingungen ausgehen und dass Erwartungen an das Ergebnis nicht enttäuscht werden?

Es ist ganz wichtig, dass im Briefing-Gespräch zunächst die groben Rahmeneckpunkte besprochen werden und am Ende wirklich alle offenen Fragen geklärt sind. Aus unserer Sicht ist die Klärung folgender Punkte grundlegend, bevor wir beginnen können: Definition des Themas (wo sinnvoll inklusive Region), Liefertermin und Sprache(n) der Ergebnisse, zur Verfügung stehendes Budget.

Aufgrund unserer Erfahrung können wir anhand dieser Rahmendaten schnell einschätzen, ob das Rechercheprojekt für uns realisierbar ist. Vor der eigentlichen Recherche muss eindeutig klar sein, was das Ziel des Auftraggebers für das Rechercheergebnis ist. Je länger eine Kundenbeziehung besteht, umso einfacher ist natürlich das Briefing-Gespräch. Meine Empfehlung an alle, die im Auftrag von internen oder externen Kunden recherchieren, ist: Solange nachfragen, bis man alles verstanden hat. Sicherheitshalber die Anforderungen mit eigenen / anderen Worten beschreiben.

Für eine gute und langfristige Zusammenarbeit hat sich „Expectation Management" bewährt, also das Abstecken von Erwartungshaltungen. Bei zu geringem Budget oder einer sehr kurzen Deadline gibt es manchmal eben auch nur sehr begrenzt Ergebnisse. Für manche Themen gibt es einfach wirklich so gut wie gar keine Information im Internet, bei Nexis® oder sonst wo. Mit viel Erfahrung ist das zum Teil schon vor Beginn der Recherche ersichtlich und sollte mit dem Kunden besprochen werden.

Wir stellen zunehmend fest, dass von Information Professionals bzw. Markt-Analysten umfassende Branchenkenntnisse erwartet werden. Wie schätzen Sie das ein?

Branchenkenntnisse sind bei Recherchen in jedem Fall von Vorteil, weil man sich so schneller in die Thematik hineindenken und relevante Informationen / Quellen von weniger relevanten unterscheiden kann. Reine Branchenexpertise reicht in meinen Augen nicht für exzellente Rechercheergebnisse. Denn dazu fehlt den Experten anfangs oft das erforderliche „Handwerkszeug" (wie z. B. Quellenkenntnis) für die Recherche. Und Branchenkenntnis eignet man sich schließlich bei jeder Recherche an, ganz egal welche Vorkenntnisse man hatte. Nach der Recherche haben wir immer etwas Neues gelernt, das ist für mich noch immer das faszinierende an diesem Beruf. So weiß ich inzwischen einiges über den Methanmarkt im Irak, obwohl ich keine Energie-Expertin bin.

Zur Person:

  • Rita Weissenberger ist seit Oktober 2000 Geschäftsführerin der i2k services GmbH.
  • Sie recherchiert vor allem zu Themen im Bereich Strategie, Unternehmensplanung, M&A Due Diligence, Markt- und Wettbewerbsanalyse. Durch die Bereitstellung von Informationen über Märkte, Unternehmen / Wettbewerber, etc. unterstützt sie Entscheider und Berater bei deren Analysen.
  • 1995-2000 Manager Information Research Service, Bain & Company, verantwortlich für Information Research Services Deutschland + Schweiz
  • 1993-1995: Senior Researcher, The Boston Consulting Group, München
  • Ausbildung / Background: Diplom-Betriebswirtin (FH), Schwerpunkt Marketing

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