Veränderungen in der Arbeit eines Information Professionals.

Interview Torsten Hoch

Herr Hoch, Sie sind der Leiter des Axel Springer Infopools und schon seit langem als Information Professional aktiv. Wie hat sich Ihre Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten verändert?

Die Arbeit und das Inhaltsangebot haben sich seit der Einführung der Digitalisierung enorm und mit hoher Geschwindigkeit geändert.

In den 90er Jahren mussten wir anfangs noch über ein Telefonmodem auf die Datenbanken zugreifen. Das erforderte viel Geduld in Hinblick auf die Übertragungsgeschwindigkeit und eine klare Vorstellung, wonach und in welchen Medien man sucht. Es gab noch keine menügeführten Abfragen.

Wir haben damals viel in internationalen Quellen über Film- und Fernsehproduktionen in den USA recherchiert und Informationen über Hollywood und Promis gesucht. Die deutschen Privatsender steckten zu der Zeit noch in den Kinderschuhen und hatten bis dahin kaum eigene Serien.

Zum Jahrtausendwechsel war natürlich die Technik dann schon sehr weit fortgeschritten. Der Webzugriff war einfach und die Übertragungsgeschwindigkeit schnell. Außerdem waren die meisten Zeitungen und Zeitschriften bereits digitalisiert – auch die Quellen aus unserem eigenen Haus – und Google hat sich auf dem Suchmaschinenmarkt etabliert. Vieles war also online verfügbar.

Das führte dann dazu, dass die Recherchearbeit für uns zurückging. Die Inhalte, die wir zusammengestellt hatten, waren nun nicht mehr exklusiv, sondern für jeden zugänglich. Nur in wenigen Fällen wurden Profis noch benötigt.

Wie wird sich die Arbeit der Information Professionals in unmittelbarer Zukunft ändern?

Wir werden verlorenes Recherche-Volumen nicht zurückholen können. Viele unserer Kunden werden weiterhin selber in frei zugänglichen Quellen und Datenbanken recherchieren.

Ich sehe auch, dass die Informationsflut insgesamt nicht nachlassen wird. Im Gegenteil: Es werden immer mehr Informationen im Internet veröffentlicht. Die Herausforderung wird sein, die relevanten Inhalte herauszufiltern. Doch dies wird meines Erachtens eher automatisiert, denn durch Menschenhand erfolgen.

Information Professionals müssen ihren Kunden zukünftig neuen Mehrwert bieten. Unsere Aufgabe wird sich von der Informationsvermittlung hin zur Beratung und Aufbereitung entwickeln müssen. Die wirklich aufwendigen, spezifisches Knowhow erfordernden Beschaffungsaufkommen werden bei uns verbleiben.

Was glauben Sie, wird sich in technologischer Sicht ändern?

Wir können davon ausgehen, dass zukünftig alle Inhalte digital zur Verfügung stehen werden. Ganz unabhängig davon, ob diese kostenfrei oder kostenpflichtig sind.

Von zentraler Bedeutung wird es sein, dass der Nutzer jederzeit von jedem Ort mit jedem Endgerät Zugang zu Informationen hat. In diesem Kontext haben die Informationsanbieter noch großen Nachholbedarf, zum Beispiel im Hinblick auf die Einfachheit der Benutzeroberfläche.

Die Erwartungshaltung der Informationsnutzer hat sich ja auch schon dahingehend geändert, dass sie mehr nach personalisierten und individualisierten Inhalten verlangen.

Und die Geschwindigkeit der Entwicklung wird deutlich zunehmen. Ich bin sehr gespannt.

Zur Person:

Torsten Hoch ist seit knapp 25 Jahren bei der Axel Springer AG. Nach seinem Geschichtsstudium begann er seine berufliche Laufbahn in dem Unternehmen als Leiter der Recherche-Abteilung und verantwortet seit über 10 Jahren den Bereich Infopool Text.

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