Donald Trump: Führt kontrovers diskutierte Medienpräsenz zu Wählerstimmen?

Foto Miki Vayloyan, LexisNexis GmbH

Vor 9 Monaten schien es noch unvorstellbar, dass Donald Trump für die amerikanischen Republikaner überhaupt als Präsident kandidieren wird. Als er seinen Wahlkampf begann, hatte er weniger als 4 % Zuspruch in Meinungsumfragen und lag mit Platz 8 weit hinten auf der Liste der Nominierung zum Präsidentschaftsanwärter. Doch dies hat sich um 180 Grad gedreht: Donald Trump hat nicht nur die Vorwahl der Republikaner in New Hampshire gewonnen, sondern er führt mittlerweile auch die landesweiten Meinungsumfragen an.

Vom Schlusslicht zum Spitzenreiter

Bei den Vorwahlen in Iowa – die effektiv erste Gelegenheit der Amerikaner zu zeigen, wen sie sich als Präsidentschaftskandidaten vorstellen können – musste Donald Trump einen herben Rückschlag einstecken. Obwohl er die landesweiten Meinungsumfragen mit mehr als der zehnfachen Unterstützung im Vergleich zum Beginn des Wahlkampfes anführte, wurde Trump bei dieser ersten Abstimmung von seinem Rivalen und Texas-Senator Ted Cruz geschlagen. Während dies noch lange nicht das Ende seines Wahlkampfes bedeutet, dürfte es für den selbsternannten Gewinner jedoch eine große Niederlage sein, die erste öffentliche Wahl zu verlieren.

In seinem Wahlkampf tritt Trump stets provokativ auf, was die Frage aufwirft, welche Auswirkungen die Berichterstattung über ihn in den Medien auf die Wählerstimmen hat- besonders während einer Zeit, in der Politiker oftmals beschuldigt werden, nicht nah genug am Volk zu sein und die Bedürfnisse der Staatsbürger zu missachten. Ist Donald Trump's unternehmerisches Denken und provokatives Auftreten dann der richtige Weg um Wählerstimmen zu gewinnen? Seine Wahlkampfrede über seine Forderung eines Einreiseverbotes für Muslime in die USA, hat in Großbritannien sogar eine Parlamentsdebatte über ein Einreiseverbot für Donald Trump ausgelöst und auch in Deutschland wird befürchtet, dass Trumps Präsidentschaftssieg kaum positive Konsequenzen für die EU und speziell für die Bundesrepublik hätte.

Medienreaktionen in Europa

Üblicherweise werden die amerikanischen Präsidentschaftswahlen in Europa erst zu einem wichtigen Thema, wenn die finalen Kandidaten der beiden Parteien feststehen. In den letzten sechs Monaten hat Donald Trump mit seinen Wahlkampfreden jedoch schon einige Schlagzeilen geliefert. Eine Suche mit unserer Nexis® Datenbank in deutschen Nachrichtenquellen der letzten sechs Monate brachte 1.108 Treffer für Donald Trump in Verbindung mit dem Wort „Wahl" im selben Paragraphen. Im Vergleich dazu ergab die gleiche Suche zu Hillary Clinton, der Frontfrau der Demokraten lediglich 849 Treffer. Der Fakt, dass Donald Trump mehr Medieninteresse erzeugt, als Hillary Clinton, scheint noch ungewöhnlicher wenn man bedenkt, dass Clintons Bekanntheitsgrad als ehemalige Außenministerin und First Lady viel höher sein dürfte, als die von Donald Trump.

In Großbritannien sieht dies ähnlich aus: Vor allem im Dezember nach Trumps umstrittener Rede über ein Einwanderungsverbot für Muslime in die USA, stieg die Berichterstattung in den britischen Medien rasant. Bis Dezember 2015 drehte sich das Medieninteresse hauptsächlich um seine Machtübernahme, aber im Dezember zeigt die Beobachtung der britischen Medien mit dem Nexis® Analyzer eine enge Beziehung zwischen dem Namen Donald Trump und dem Wort „Petition". Das liegt wohl an Schlagzeilen wie „Petition für ein Einreiseverbot: Darf Donald Trump noch ins Land?"1

Im Monat nach Trumps umstrittener Rede zum Thema Immigration ergab die Suche mit Nexis® in britischen Nachrichtenquellen mehr als 500 Artikel, die sowohl den Suchbegriff „Donald Trump" als auch „Petition" enthielten. Das nationale Interesse an dem Thema stieg mit steigender Anzahl an Zustimmungen für die Petition.

Berichterstattung Donald Trump 

Sorgt Medienpräsenz für Wählerstimmen oder sorgen Wählerstimmen für Medienpräsenz?

Wie viele Politiker scheut Trump sich nicht vor hitzigen Debatten. Von abfälligen Bemerkungen über seine Mitstreiter (sowohl Republikaner als auch Demokraten), bis hin zu fragwürdigen Kommentaren über Mexikaner – der Unternehmer scheint jeden gerne anzugreifen. Jedoch macht es den Eindruck, als hätte kein einziger Kommentar dazu geführt, seine Beliebtheit in der republikanischen Wählerschaft zu verringern. In einer Welt in der Politiker alles versuchen, um kontroverse Diskussionen zu vermeiden, bietet Trumps bisheriger Erfolg wohl eine Alternative zur Strategie der vorsichtig und wohlformulierten politischen Reden.

Natürlich gibt es keine Gewissheit, dass Donald Trump die republikanische Präsidentschaftsnominierung gewinnt – vor allem nach dem Ergebnis in Iowa. Trotzdem ist sein Wahlkampf ein gutes Beispiel dafür, wie Politiker die Medien nutzen können, um einen höheren Bekanntheitsgrad zu erlangen, was im Anschluss zu einer nicht endenden Medienberichterstattung führen kann. Wenn dies sein Plan war, dann war es ein taktisch kluger Zug – auch wenn seine Medienpräsenz in Iowa nicht entsprechend in Wählerstimmen umgeschlagen ist. Während es vor einem Jahr noch so aussah, als würde die Wahl von den politischen Dynastien Bush und Clinton dominiert, ist Donald Trumps Präsenz in den Medien eindeutig bemerkenswert.


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Über die Autorin

Miki Vayloyan  ist seit 2013 bei der LexisNexis GmbH beschäftigt und zuständig für den Schweizer und Liechtensteiner Markt. Ihre Beratungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Media Monitoring, Competitive Intelligence und Compliance. Frau Vayloyan ist unter anderem Mitglied im Schweizer Institut für Competitive Intelligence (SCIA) sowie im Westschweizer Ableger SCIA-R.


http://www.focus.de/politik/ausland/parlament-anwaelte-fordern-einreiseverbot-fuer-trump-in-grossbritannien_id_5218408.html

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