Medienbeobachtung der US-Wahlen 2016 liefert 3 Erkenntnisse

Innerhalb eines knappen Jahres kann sich viel verändern. Als wir mit der Beobachtung der US-Präsidentschaftswahlen im Januar 2016 begonnen haben, hatten wir zum Ziel, folgende Theorien zu testen:

  • Eine höhere Anzahl an Berichterstattungen in den Medien führt zu besseren Umfrageergebnissen.
  • Soziale Medien spielen eine Rolle bei der Wahl
  • „Swing States" (Staaten, in denen noch nicht klar ist, ob Demokraten oder Republikaner gewinnen) werden die Wahlen maßgeblich beeinflussen.

Da morgen Wahltag ist, haben wir nun ein Resümee unserer Erkenntnisse gezogen:

Nicht alle Medienberichterstattungen führen zum gleichen Ergebnis

Während des gesamten US-Wahlkampfes konnte Donald Trump einen großen Vorsprung in den Medien und dem „Share of Voice" für sich verzeichnen. Seine republikanischen Mitstreiter konnte er sowohl in den Medien als auch in Umfrageergebnissen locker schlagen. Den Share of Voice und die Anzahl der Berichterstattungen über ihn in den Medien konnte er auch nach den Vorwahlen halten. Doch dann verringerte sich die Berichterstattung über ihm im Kampf gegen Hillary Clinton und auch seine Umfrageergebnisse wurden scheinbar schlechter.

Unsere Experten haben diese Beziehung genauer unter die Lupe genommen, um zu sehen, ob es wirklich einen Zusammenhang zwischen Berichterstattung und Umfrageergebnissen gibt. Das Ergebnis war, dass sich die Medienberichterstattung unterschiedlich auf Trump und Clinton ausübte. Trumps Anstieg der Medienaufmerksamkeit führe auch zu besseren Umfrageergebnissen für ihn. Überraschenderweise sorgte aber auch ein Anstieg von Clintons Medienberichterstattungen für positive Effekte in Trumps Umfragen. Das könnte auch die Ergebnisse letzten Umfragen erklären. Seit der FBI-Affäre um Clinton stieg ihre Präsenz in den Medien und ihre Umfrageergebnisse verschlechterten sich, während Trumps Ergebnisse etwas besser wurden.1

Berichterstattung in den Medien während der letzten 30 Tage 

Selbstverständlich haben wir auch andere Faktoren wie Tonalitätsanalysen in Betracht gezogen, die uns zusätzliche Erkenntnisse lieferten.

Soziale Medien zeigen Grundstimmung. Doch weitere Auswirkungen sind unklar.

Spielen soziale Medien eine wichtige Rolle bei den Wahlen oder geben sie uns nur einen Hinweis auf potenzielle Ergebnisse? Abgesehen von unzähligen Facebook- und Twitter-Feeds (oft ohne Faktenüberprüfung) ist der Einfluss von sozialen Medien auf die Präsidentschaftswahl noch nicht abzusehen. Soziale Medien liefern uns aber auf jeden Fall sofortige Ergebnisse und Reaktionen auf Debatten und Skandale. Schauen Sie sich zum Beispiel die Tonalität der elf „Swing States" auf Twitter am Morgen nach der letzten Präsidentschaftsdebatte an. Eine Analyse des Applied Policy Research Instituts der Wright State Universität zeigt, dass die Stimmung auf Twitter relativ unverändert blieb, aber es klare Momente während der Debatte gab, die zu „Tweetstorms" für beide Kandidaten führten.2

Gemäß der Hashtags der letzten sieben Tage, werden sowohl Clinton als auch Trump von der Bevölkerung auf Twitter unterstützt. „FBI" ist auch unter den Top Hashtags, aber im Vergleich zu anderen Kernthemen wurde diesem für Clinton kritischen Thema weniger Bedeutung geschenkt.

Top Hashtags auf Twitter US-Wahlkampf 

Swing States sind wie eine Achterbahn in der Wahlnacht

Diese Wahlkampf-Saison war zweifellos stürmischer als frühere Präsidentschaftswahlkämpfe. Bei vielen Staaten ist es eindeutig, ob sie eher blau oder rot orientiert sind. Aber wer gewinnt in den „Purple States", den Staaten, in denen es noch keine deutliche Präferenz für Clinton oder Trump gibt? Die folgende Tabelle zeigt den jeweiligen Sieger der Medienberichterstattung in den letzten 30 und 7 Tagen sowie eine Prognose, welcher Kandidat in den Swing States mit welcher Punktzahl gewinnen wird.  


Medienberichterstattung
30 Tage 
Medienberichterstattung
7 Tage 
Gewinner-Prognose3
OhioTrumpClintonTrump +2.3
ColoradoGleichstandClintonClinton +3.8
FloridaTrumpClintonClinton +.1
IowaTrumpClintonTrump +3.4
MichiganTrumpClintonClinton +4.0
NevadaTrumpClintonClinton +.3
North CarolinaTrumpClintonGleichstand
PennsylvaniaClintonTrumpClinton +3.7
VirginiaTrumpClintonClinton +4.8
WisconsinTrumpClintonClinton +4.6
New HampshireTrumpGleichstandClinton +2.5

 

Einige Staaten sind so wechselhaft und unbeständig wie das Wetter im April. Aber da Medienberichterstattung, soziale Medien und Umfrageprognosen relativ nah aneinander liegen, wird die Wahlnacht wohl auch zu einer Zitterpartie werden. Wer wird das Rennen am Ende machen?


FiveThirtyEight, 02. November 2016: Election Update: The How-Full-Is-This-Glass Election
2 Wright State University, Oktober 2016: Swing State Snapshot: A Look the Morning After Debate #3
3 FiveThirtyEight, November 2016: Who will win the presidency?

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