Die Ice Bucket Challenge

Das Ice Bucket Challenge-Fieber hat Millionen von Leuten auf der ganzen Welt gepackt. Von Freunden und Kollegen über Prominente bis zum ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, alle stellen sie Videos von sich online, die zeigen, wie sie einen Eimer gefüllt mit Eiswasser über ihrem Kopf ausschütten.

Dieses kuriose Spektakel dient dazu, Aufmerksamkeit für die Krankheit ALS zu wecken. Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), auch bekannt als Motoneuronenerkrankung, ist eine neurodegenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, welche rund 8.000 Menschen in Deutschland1, ca. 5.000 Menschen in England und 30.000 Menschen in den USA betrifft. Mit der Diagnose ALS hat man vom ersten Auftreten bis zum Tod eine Überlebenszeit von durchschnittlich 39 Monaten. Auch wenn die Entwicklung von ALS in einigen Fällen genetisch bedingt ist, sind bei ungefähr 90% der Erkrankten die Gründe noch nicht erforscht. Ohne Heilung und mit nur mäßiger Behandlung oder Schmerztherapie bleibt nur wenig Hoffnung für diese Personen.

Die Ice Bucket Challenge wurde ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für das Thema ALS zu schärfen und Menschen dazu anzuregen, an entsprechende Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. Die Unterstützung für ALS-Organisationen ist insbesondere durch Prominente stark gestiegen, welche große Summen spendeten. Die ALS Association in den USA hat seit Beginn der Challenge über 80 Millionen Dollar an Spenden eingenommen. Im Vorjahreszeitraum waren es weniger als 3 Millionen Dollar.

Während die Ice Bucket Challenge in kürzester Zeit viral geworden ist, hat eine aktuelle Umfrage in England ergeben, dass über die Hälfte derer, die an der Challenge teilnahmen, keine Spende an eine Stiftung getätigt hat. Noch überraschender aber ist es, dass 53% der Teilnehmer aussagten, dass sie nicht wussten, aus welchem Anlass sie eigentlich eine Stiftung unterstützen sollten. Von denjenigen, die an eine bedeutsame Organisation spendeten, haben lediglich 3% mehr als 15 Dollar gespendet.2

Mit dem Nexis® Analyser haben wir die Resonanz des Phänomens Ice Bucket Challenge in der deutschsprachigen Presse beobachtet:

  • Die Medienberichterstattung über die „Ice Bucket Challenge" in Verbindung mit „ALS" wies die größte Anzahl an Artikeln auf und erreichte ihren Höhepunkt in Kalenderwoche 35.
  • Die Berichterstattung zu dem Begriff „Ice Bucket Challenge" ohne „ALS" umfasste in derselben Kalenderwoche nur halb so viele Artikel wie die Berichterstattung zu „Ice Bucket Challenge" und „ALS" zusammen.
  • Die Medienberichterstattung zu dem Begriff „ALS" alleine zeigte im Vergleich den geringsten Anstieg und erreichte ihren Höhepunkt in der 34. Kalenderwoche.

Nexis Analyser Grafik zur Medienberichterstattung über die Ice Bucket Challenge und ALS 

Das Hauptinteresse der meisten Teilnehmer der Ice Bucket Challenge war fast ausschließlich auf den Social Media Aspekt gerichtet, sodass die Botschaft der Wohltätigkeit und des Spendenaufrufs in den Hintergrund rückte.

Unsere Recherche im Nexis® Analyser zeigt, dass obwohl die Ice Bucket Challenge eine hohe Aufmerksamkeit für die Krankheit ALS erzeugen konnte – wie es auch die rasch gestiegenen Spenden zeigen – die deutschsprachigen Medien nur wenig über die Krankheit als eigenständiges Thema berichtet haben.

Quellen:

1 Rheinische Post, 25.8.2014
2 Daily Star Online, 28.8.2014

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