Spekulation und Fehlinformationen in den Medien: Der Fall Amelia Earhart

Über die Gefahr, sich als Herausgeber durch Fehlinformationen zu blamieren

Foto Miki Vayloyan, LexisNexis GmbH

Zum Hintergrund

Am 1. Juni 1937 startete die Flugpionierin Amelia Earhart aus Oakland in Kalifornien zu einem Flug, der sie in Richtung Osten um die Welt führen sollte. Es war ihr zweiter Versuch, als erster Mensch ein Flugzeug um den Globus zu steuern.

Mit an Bord der zweimotorigen Lockheed 10E Electra war ihr Navigator Fred Noonan. Die beiden flogen nach Miami, Florida, dann weiter nach Südamerika, über den Atlantik nach Afrika und von dort aus ostwärts bis nach Indien und Südostasien. Am 29. Juni kamen sie in Lae, Neuguinea an.

Bei ihrer Ankunft dort hatten Sie bereits 22.000 Meilen zurückgelegt. Für die letzte Etappe ihrer Reise zurück nach Oakland lagen noch 7.000 Meilen vor ihnen.

Das Mysterium

Am 2. Juli flogen Earhart und Noonan von Lae aus in Richtung der winzigen Howlandinsel ab, um zu tanken. Danach verliert sich ihre Spur. Der Funkkontakt mit dem Kutter Itasca der US-Küstenwache, der vor der Howlandinsel vor Anker lag, brach ab, und Earhart und Noonan verschwanden.

80 Jahre Rätselraten

Seit mehr als acht Jahrzehnten wird darüber spekuliert, was geschehen war und wo die beiden geblieben sein könnten. Präsident Roosevelt autorisierte eine massive Suchaktion für die beiden, ehe er Earhart und Noonan am 19. Juli 1937 offiziell für verschollen erklärte. Da Earhart die Welt in den Anfangstagen der Luftfahrt umrunden wollte, bestand ein globales Interesse an ihrem Fall. In den letzten 20 Jahren stieg das Interesse immer mehr, wie unsere Auswertung der Medienberichterstattung nach Ländern außerhalb der USA über Amelia Earhart zeigt.

Medienberichterstattung Amelia Earhart 

Forscher und Luftfahrtbegeisterte haben zahlreiche Theorien zu Amelia Earharts Verbleiben entwickelt. Die offizielle Haltung der amerikanischen Regierung ist, dass Earhart und Noonan im Pazifischen Ozean abgestürzt sind. Angesichts des Ausmaßes an Enthusiasmus und den unzähligen Spekulationen in über 80 Jahren liegt es auf der Hand, weshalb so viele verschiedene Theorien entstanden sind. Laut History Channel sind einige der gängigsten Theorien:

  1. Der Treibstoff ging aus, Earhart stürzte über dem Pazifischen Ozean ab und starb.
  2. Sie landete wohlbehalten auf Gardner Island (dem heutigen Nikumaroro), starb jedoch, bevor sie gerettet werden konnte.
  3. Ihr Flug war ein Vorwand, um die Japaner auszuspionieren, die sie anschließend gefangen nahmen.
  4. Earhart erlitt eine Bruchlandung, wurde von der japanischen Armee gefangen genommen und starb in Gefangenschaft in Saipan.
  5. Sie überlebte den Absturz im Pazifischen Ozean und wurde nach New Jersey zurückgebracht, wo sie den Rest ihres Lebens unter falschem Namen verbrachte.
  6. Sie überlebte und schaffte es bis nach Guadalcanal.
  7. Earhart stürzte auf einer Insel im Bismarckarchipel ab.
  8. Sie geriet in japanische Gefangenschaft und wurde zur „Tokyo Rose".
  9. Sie wurde von den Japanern gefangen genommen und reiste auf die Insel Emirau in Papua-Neuguinea.

Die Rolle von Fehlinformationen

Da der Fall Earhart ein solch großes Interesse auf sich gezogen hat, wurden diese Theorien international diskutiert. Angesichts der ernsthaften Bemühungen, zu einer befriedigenden Erklärung zu gelangen und der Tatsache, dass sich der Vorfall lange vor dem Zeitalter der digitalen Dokumentation zugetragen hat, ist er ein gutes Beispiel dafür, inwiefern neue Erkenntnisse zu falschen, ja, abwegigen Schlussfolgerungen führen können.

Im Fall von Theorie Nummer Fünf (der Tarnexistenz) stellte ein Buch aus den 1970er-Jahren mit dem Titel Amelia Earhart Lives die Behauptung auf, Earhart hätte den Namen Irene Bolan angenommen und sich in der Gemeinde Monroe in New Jersey niedergelassen. Obgleich Bolan Earhart durchaus ähnlichsah und ebenfalls eine Pilotenlizenz besaß, verklagte sie den Autor und den Verlag McGraw-Hill und erreichte eine außergerichtliche Einigung mit einer Abfindung in nicht genannter Höhe und den Rückruf des Buches.

Die neunte Theorie (Gefangenschaft durch Japaner auf Emirau Island) war Gegenstand einer kürzlich ausgestrahlten Dokumentation auf dem History Channel, in deren Verlauf ein im Landesarchiv entdecktes Schwarz-Weiß-Foto gezeigt wurde, auf dem die grobkörnige Rückenansicht einer Frau zu sehen ist, die angeblich Earhart sein sollte. Nach der Ausstrahlung fand ein japanischer Blogger und Experte für Militärgeschichte das Bild jedoch in einem Buch, das bereits 1935, also zwei Jahre vor dem berühmten Flug, veröffentlicht worden war (weswegen es nicht Amelia gewesen sein konnte). Nach der Sendung veröffentlichte der History Channel eine Erklärung, die sich den offenen Fragen widmete.

HISTORY hat ein Forscherteam, das sich mit den neuesten Entwicklungen zu Amelia Earhart beschäftigt, und wir werden unsere Erkenntnisse offen legen , hieß es in der Erklärung. Das Wichtigste für uns und unsere Zuschauer ist letzten Endes die historische Genauigkeit.

Indem der History Channel eine Theorie ausstrahlte, die sich umgehend anhand eines zuvor veröffentlichten Bildes widerlegen ließ, hatte er einen gravierenden Fehler begangen. Es entstand der Eindruck, der Sender habe versucht, eine Sensationsmeldung zu lancieren, für die es keine ernsthaften Beweise gab, um sich finanzielle Vorteile zu verschaffen.

Enthusiasmus, Intrige, Mangel an digitaler Dokumentation und weltweiter Wettbewerb können eine Recherche in die Irre führen. Das Buch und der Fernsehfilm über Amelia Earhart sind gute Beispiele für die Fallstricke der Fehlinformation: Ein zusätzlicher Schritt, um die Informationen zu bestätigen, hätte hier Kosten sparen und eine Schädigung des guten Rufs vermeiden können.

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Zur Person

Miki Vayloyan ist seit 2013 bei der LexisNexis GmbH beschäftigt und als Business Development Manager Media Intelligence innerhalb der DACH Region tätig. Ihr Beratungsschwerpunkt liegt im Bereich der (Social-) Medienbeobachtung: vom professionellen Monitoring, der Evaluation, zu Analysen und Insights sowie geeigneten Kommunikationskanälen. Seit Oktober 2016 ist sie außerdem Präsidentin des Schweizerischen Verbands für Marktbeobachtung, Wettbewerbsanalyse und Strategieplanung - Swissintell.

Quellen:

Amelia Earhart: The Lost Evidence, history.com/specials/amelia-earhart-the-lost-evidence
twitter.com/HISTORY, Meldung vom 11.07.2017

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