Durch die Verknüpfung von Patentdaten und wissenschaftlicher Forschung werden aus Wissen schneller marktfähige Produkte

Portrait von Georgios Tsatsaronis, Vice President of Data Science bei Elsevier

Georgios Tsatsaronis ist Vice President der Data Science Research Content Operations beim Verlag Elsevier®. Er sieht Patentdaten und wissenschaftliche Forschung als zwei Seiten derselben Medaille. Eine intelligente Kombination dieser beiden Disziplinen versetzt Unternehmen in die Lage, Wissen schneller als je zuvor in marktfähige Produkte umzumünzen.

Dank seiner Erfahrung in natürlicher Sprachverarbeitung und Data Mining weiß Tsatsaronis genau, wie aus riesigen Datenmengen transparente, verwertbare Informationen gewonnen werden können: „Im Kern geht es darum, Zusammenhänge und Korrelationen zu definieren.“

Patentanalyse führt zu besser fundierten strategischen Entscheidungen

Es gibt eine klare Parallele zwischen der Arbeit von Tsatsaronis und den Patentlösungen von LexisNexis: Im Mittelpunkt steht immer die Analyse von Patentdaten. Tsatsaronis nutzt künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und die Verarbeitung natürlicher Sprache, um eine enorme Menge an wissenschaftlichen Publikationen zu analysieren. Dafür untersucht er Forschungsförderer sowie die Anzahl der Subventionen und vergleicht die gewünschten mit den tatsächlichen Forschungsergebnissen.

Das Ziel ist es, die Rohdaten in großem Maßstab so zu indizieren, dass sie für Antragsteller wie für Geber von Subventionen durchsuchbar sind. Das ist aus Tsatsaronis Sicht wichtig, da Subventionsgeber volle Transparenz über die bereitgestellten Mittel verlangen. Zudem wollen Antragsteller von Subventionen (wie Universitäten) wissen, welche Themengebiete noch nicht ausreichend erforscht sind. „Mit den Ergebnissen lässt sich die Notwendigkeit von Subventionen begründen. Aber die Daten dienen auch dem Staat als Grundlage zur Formulierung seiner Politik. Und Unternehmen können damit besser fundierte strategische Entscheidungen fällen“, so Tsatsaronis.

Patentdaten – vom nice-to-have zum Muss

In den letzten Jahren hat sich die Arbeitsweise von Unternehmen verändert. Wettbewerbsvorteile werden mehr denn je durch Innovationen definiert. Damit wir die richtigen strategischen Entscheidungen treffen und unnötigen Einsatz von Mitteln minimieren können, brauchen wir ein vollständiges und umfassendes Bild der Welt, die uns umgibt. Daraus folgt unmittelbar die Notwendigkeit, Patentinformationen in die Datensätze aufzunehmen, die als Grundlage für die Politik dienen. „Früher waren Patentdaten ein ‚nice-to-have‘ in der Strategieentwicklung, heute sind sie ein Muss“, sagt Tsatsaronis.

Aus Sicht von Tsatsaronis ist es an der Zeit, wissenschaftliche, von Experten begutachtete Forschung mit Patentdaten zu verknüpfen. Diese Idee kam erstmals in den 1980er Jahren auf. Damals war es noch reine Theorie. Dank der rasanten Entwicklung der Computertechnik – und besonders der künstlichen Intelligenz in den vergangenen Jahrzehnten – ist es (mit Hilfe superschneller Computer) heute praktisch machbar. Tsatsaronis: „Aktuell befinden wir uns immer noch in der Renaissance der neuronalen Netze. Das heißt: Jetzt sind wir in einer idealen Lage, um diese Netze optimal zu nutzen.“

Verknüpfte Daten sind die „neue Goldgrube“.

Wenn es darum geht, diese Ambitionen zu verwirklichen, beobachtet Tsatsaronis einen Perspektivwechsel. Wo bisher von der „neuen Goldgrube“ die Rede war, ging es um Daten im Allgemeinen. Heute gelten verlinkte Daten Tsatsaronis zufolge als neue Goldgrube. Inzwischen ist das Sammeln von Daten recht einfach und kostengünstig. Das ist eine ausgezeichnete Entwicklung, der eigentliche Wert liegt nach seiner Überzeugung aber in der Erkennung wertvoller Verbindungen und Korrelationen.

Um Verbindungen in massiven Datensätzen unterschiedlicher Herkunft praktisch nutzen zu können, sind richtige Entscheidungen in der Strategieentwicklung ein Muss. Die Bewertung der Quellen und ihre Einordnung in eine Hierarchie ist Tsatsaronis zufolge mit viel Handarbeit verbunden. Das ist nicht das einzige Problem: Große Mengen an Informationen stammen aus fragwürdigen Quellen. „Entscheidend bei dieser Herausforderung ist die Beurteilung: Was ist wertvoll und nützlich?“, so Tsatsaronis. „Das ist der wichtigste Teil, aber auch der schwierigste.“

Durch Abkürzungen Chancen schaffen

Tsatsaronis zufolge leben wir in einer Zeit des Umbruchs. Früher wurden Erfindungen verschenkt, und Forschung wurde in Zusammenarbeit mit der Industrie betrieben. Heutzutage neigen Universitäten dazu, Erfindungen selbst zum Patent anzumelden. Das hat dazu geführt, dass neue Erfindungen oft zuerst als Patente auftauchen und erst später in referierten Artikeln veröffentlicht werden.

Wie können Unternehmen das zu ihrem Vorteil nutzen? Wo liegen die Chancen, wenn wissenschaftliche Forschung mit patentierten Ideen verknüpft wird? Kurz gesagt geht es laut Tsatsaronis darum, Abkürzungen zu finden.

Das Idealbild: Innovation beschleunigen

Ein Beispiel: Tsatsaronis betrachtet ein Pharmaunternehmen, das eine Behandlung für eine bestimmte Krebsart sucht. Durch Extrahieren von Daten aus einem bestimmten Genom oder aus einer Behandlung, die sich bereits als erfolgreich erwiesen hat, können die Forscher viel schneller die besten Chancen ermitteln, ein erfolgreiches Medikament zu finden. „Das verkürzt die Zeit bis zur Marktreife erheblich, besonders in den Gesundheits- und Biowissenschaften. So eröffnen sich enorme Chancen, neue Erfindungen schneller verfügbar zu machen. Das kommt der Gesellschaft insgesamt zugute.“ sagt Tsatsaronis.

Ein weiterer Aspekt macht die Verbindung von wissenschaftlichen Daten und Patentdaten für Unternehmen vorteilhaft: Viel Wissen verstaubt in Regalen oder liegt unter Bergen an Forschung vergraben. Werden all diese Erfindungen transparent gemacht und mit Patenten kombiniert, eröffnet sich laut Tsatsaronis eine Goldgrube an Möglichkeiten. Dazu ist jedoch ihm zufolge eine Anmerkung wichtig: Das ist ein Idealbild der Zukunft, wie sie ihm vorschwebt, in der Wissen gewonnen und in der Praxis angewendet werden kann.

Hybride Intelligenz – KI in Zusammenarbeit mit Menschen

Was muss getan werden, um diesen Punkt so schnell wie möglich zu erreichen? Tsatsaronis möchte nicht spekulieren. Er stellt jedoch fest, dass bessere Hard- und Software verfügbar wird und Hindernisse rasch überwunden werden. „Entwicklungen geschehen schneller als je zuvor und übertreffen alle Erwartungen“, so Tsatsaronis. Der Nachfolger der künstlichen Intelligenz steht schon vor der Tür: Hybride Intelligenz ist bereits in aller Munde. „Hybride Intelligenz ist künstliche Intelligenz, die mit Menschen zusammenarbeitet. Sie wird uns helfen, unsere Ziele leichter und schneller zu erreichen und besser fundierte Entscheidungen zu treffen“, sagt Tsatsaronis.

Nutzbringend für die Gesellschaft insgesamt

Tsatsaronis ist der Überzeugung, dass diese Entwicklung nicht nur Unternehmen und dem Staat zugute kommt, sondern der Gesellschaft insgesamt. „Es geht darum, den Zugang zu neuem Wissen deutlich zu verbessern, und zwar so, dass alle Nutzer dieses Wissens davon profitieren. Hier liegt die Beschleunigung. Es wird sicher für uns alle einen Unterschied ausmachen.“

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