Fakten und Fiktion: Zwei Gründe, weshalb Sie auf Fake News achten sollten

Foto Miki Vayloyan, LexisNexis GmbH

Im Zeitalter von Fake News steigt der Aufwand bei Recherchen zu Neuigkeiten und geschäftlichen Informationen, Fakten von Fiktion zu trennen. Es hängt viel davon ab, weil sich die Kollegen für weitreichende Entscheidungen auf das Ergebnis verlassen.

Grund 1: Fake News decken eine breite Palette von Themen ab

Politische Nachrichten sind nicht die einzige Quelle von Fake News. Anfang des Jahres berichtete die New York Times1, dass die Welt der Fußballnachrichten ein Tummelplatz für Fake News sei, wie beispielsweise „alternative Tatsachen“ zu Schiedsrichterentscheidungen (je nachdem, welches Team man unterstützt) und Berichte über Spielerwechsel, die komplett auf Gerüchten basieren. Der Artikel beschreibt einen ausgeklügelten Streich, den sich ein irischer Journalist und Fan des FC Arsenal ausgedacht hatte. Frustriert von seinen eigenen Bemühungen, unbestätigte (aber veröffentlichte) Gerüchte über mögliche Transfers von echten Meldungen zu trennen, beschloss er, aufzuzeigen, wie schnell Falschmeldungen sich verbreiten und als Tatsachen akzeptiert werden können, indem er rechtzeitig zur Sommer-Transfersaison kurzerhand einen neuen aufstrebenden Fußballstar erfand. Laut New York Times dauerte es nicht lange, bis einige Posts auf Online-Anschlagtafeln „es in angesehene Mainstream-Publikationen geschafft hatten, und der erfundene Fußballspieler sogar in eine Liste der besten 50 Nachwuchsspieler in Europa kam (auf Platz 30)“.

Die Beliebtheit von Fantasy-Sport-Ligen bringt es mit sich, dass unzählige Fans Sportnachrichten, Blogs und soziale Medien nach Informationen durchforsten, die ihnen einen Vorsprung verschaffen könnten. Und sofern sie die Quellen für ihre „Fakten“ nicht überprüfen, lassen sie sich allzu häufig von wilden Gerüchten in die Irre führen.

Grund 2: Soziale Medien erleichtern die Verbreitung von Fake News

Angesichts der Tatsache, wie schnell sich „Neuigkeiten“ im digitalen Zeitalter verbreiten, liegt es auf der Hand, dass Spekulation und Fehlinformationen innerhalb von Stunden oder Tagen ihren Status von unglaubwürdig zu einleuchtend wechseln können. Die Washington Post2 berichtete unlängst, dass die US-Börsenaufsichtsbehörde einen schottischen Börsenmakler wegen Betrugs angeklagt hat, nachdem dieser irreführende Tweets verbreitet hatte, mit denen er die Aktienpreise manipuliert hat, um eigene Gewinne zu steigern und Anteilseignern Verluste in Höhe von mehr als 1,6 Millionen US-Dollar bescherte.

Führen Fake News zu einer besseren Berichterstattung und aufmerksameren Lesern?

Ironischerweise ist einer der wichtigsten Herausgeber des Fake-News-Vorläufers „Yellow Journalism“ der 1890er-Jahre heutzutage Namensgeber einer der begehrtesten Auszeichnungen im Journalismus für Zeitungen, Zeitschriften und im Internet: dem Pulitzer Preis. Pulitzers Art von Berichterstattung, die Fakten einer breiteren Leserschaft opferte, deckte konkrete Probleme wie zum Beispiel Korruption auf, verbreitete aber auch irreführende Meldungen, die dazu dienten, die Öffentlichkeit abzulenken und mehr Zeitungen zu verkaufen. Finanzielle Vorteile bilden nach wie vor eine starke Motivation für Fake News, aber Medienkanäle, Plattformen der sozialen Medien und die Öffentlichkeit ziehen zunehmend ihre Konsequenzen daraus.

Facebook gab bekannt, dass ein vom Kreml beauftragtes Medienunternehmen Anzeigen in Höhe von mehr als 100.000 US-Dollar in Auftrag gegeben hatte, um politischen Dissens zu schüren und die Wahl zugunsten eines bestimmten Kandidaten zu beeinflussen. Zuvor wurde eine Reihe von Vorwürfen gegenüber Websites sozialer Medien und Suchmaschinen erhoben.

Die Debatte hat einige Änderungen der Algorithmen angeregt, welche die Weitergabe verlangsamen sollen. Darüber hinaus haben Facebook und Google gemeinsam3 im Vorfeld der Wahlen Anfang dieses Jahres mit französischen Medienkanälen daran gearbeitet, Fehlinformationen in den Medien entgegenzutreten. Facebook hat außerdem eine Initiative gegen Fake News in Deutschland eingeleitet, nachdem dortige Behörden Bedenken geäußert hatten, dass irreführende oder falsche Nachrichten und Hassreden sich auf die Bundestagswahlen auswirken könnten. Indem man auf Fake News aufmerksam macht, nehmen weniger Menschen die angebotenen Informationen als selbstverständlich hin. Websites wie Factcheck.org und Snopes.com erleichtern es, fragwürdige Meldungen im Internet zu überprüfen. Wie die Kommentare zu umstrittenen Posts zeigen, werden Fake News immer häufiger angezweifelt und sogar Quellen für die überprüften Fakten genannt.

Dem aufkommenden Boulevardjournalismus am Ende des 19. Jahrhunderts folgte ein Engagement für journalistische Integrität, das das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien wieder herstellte. Ein ähnliches Engagement erleben wir jetzt, in einer Zeit, in der das öffentliche Misstrauen gegenüber den Medien einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Aber solange es finanzielle Vorteile mit sich bringt, Falschmeldungen zu verbreiten, brauchen Rechercheure einen proaktiveren Ansatz zur Auswahl und Überprüfung der notwendigen Informationen.

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Zur Person

Miki Vayloyan ist seit 2013 bei der LexisNexis GmbH beschäftigt und als Business Development Manager Media Intelligence innerhalb der DACH Region tätig. Ihr Beratungsschwerpunkt liegt im Bereich der (Social-) Medienbeobachtung: vom professionellen Monitoring, der Evaluation, zu Analysen und Insights sowie geeigneten Kommunikationskanälen. Seit Oktober 2016 ist sie außerdem Präsidentin des Schweizerischen Verbands für Marktbeobachtung, Wettbewerbsanalyse und Strategieplanung - Swissintell.


Quellen

1 The Original Fake News: Soccer Transfers, The New York Times, 13.07.2017
2 Allegations of 'fake news' stretch beyond politics, The Washington Post, 04.07.2017
3 Facebook, Google and Others Launch Drive against Fake News in France, Scientific American, 06.02.2017

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