Recherche-Irrtümer: „Im frei zugänglichen Internet steht alles“

Weit verbreitete Irrtümer in der Recherche - Teil 2

Foto Michael Krake, Geschäftsführer, LexisNexis GmbH

„Im Internet steht alles!" Mit dieser Aussage werde ich immer wieder konfrontiert. Tatsächlich denken viele Menschen, dass im sogenannten Web, worunter man landläufig das frei zugängliche Internet versteht, alles oder nahezu alles zu finden sei. Weit gefehlt!

Tatsächlich ist nur ein Bruchteil der Informationen frei im Internet verfügbar. Der weitaus größere Teil verbirgt sich im sogenannten Deep Web. Dabei handelt es sich größtenteils um Datenbanken, die nicht jedem zugänglich und die auch von Suchmaschinen im freien Internet nicht zu finden sind. Der Zugang erfolgt über Spezialanbieter wie LexisNexis, die diese Inhalte lizensieren und so aufbereiten, dass sie über eigene Suchalgorithmen strukturiert und übersichtlich darstellbar sind. Anders als im frei zugänglichen Internet sind die Ergebnisse der Datenbankanbieter nicht durch Suchmaschinenoptimierung der Anbieter sowie das persönliche Benutzerprofil beeinflusst.

Gerade im Deep Web verbergen sich viele qualitativ hochwertige Informationen. Deren Quellen sind unter anderen Firmendatenbanken, Volltextveröffentlichungen von nationalen und internationalen Zeitungen, Zeitschriften und vielen weiteren Medien.

Wer sich bei seiner Recherche auf das frei zugängliche Internet verlässt, läuft Gefahr, relevante Informationen nicht zu bekommen. Diese Gefahr erhöht sich durch einen Trend, den Marktforscher bei der Nutzung feststellen: Die meisten Menschen geben sich allzu schnell mit Suchergebnissen zufrieden, die sie in öffentlichen Suchmaschinen finden. Studien zufolge gehen 70 Prozent der User von öffentlichen Suchmaschinen nicht über die erste Seite der Suchergebnisse hinaus. Die Studien besagen, dass die meisten Anwender auf Ergebnisse der ersten Suchmaschinenseite klicken1. Die zweite und dritte Seite werden zusammengenommen gerade noch von sechs Prozent der Nutzer geklickt. Auch die Qualität der Information und die Verlässlichkeit der Quelle werden immer weniger hinterfragt.2

Das beschriebene Nutzerverhalten – kombiniert mit dem verbreiteten „Internetirrtum" – führt zwangsläufig zu ernst zu nehmenden Qualitätseinbußen bei der Informationsbeschaffung im Unternehmen. Sie können durch irrtümliche Interpretation der Ergebnisse zu falschen Schlüssen führen und somit negative Auswirkungen auf das Ansehen, die Wettbewerbsfähigkeit, die Produktakzeptanz, den Markterfolg und auf die gesamte unternehmerische Entwicklung haben.

Tatsachen sind:

  • Die Aussage „Im Internet steht alles" ist falsch.
  • Ergebnisse von Recherchen im frei zugänglichen Web sind beeinflusst und man wird durch Suchmaschinen auf falsche Fährten geführt.
  • Das blinde Vertrauen in die ersten Ergebnisseiten öffentlicher Suchmaschinen führt zu Qualitätseinbußen bei der Recherche.

Wer dem Irrtum unterliegt, im frei zugänglichen Internet stehe alles und sich auf oberflächliche Suchergebnisse verlässt, verschenkt fahrlässig Marktchancen.

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Zur Person

Michael Krake ist seit 1998 im Reed Elsevier Konzern tätig. Nach mehreren Positionen für LexisNexis im Ausland ist der ausgewiesene Informationsexperte seit 2010 Geschäftsführer der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität Bonn Nordamerikanische Regionalwissenschaften sowie in Köln Informationswissenschaften. Er ist Mitglied im American + British Chamber of Commerce.

1 CTR-Studie: 71,33 Prozent der User klicken auf der ersten Seite der SERPs 
2 LexisNexis Past Present & Future of Information Management Studie

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