Eine ethische Betrachtung robuster Due-Diligence-Prozesse

Viel zu häufig lesen wir noch immer regelmäßig erschütternde Berichte über die Arbeitszustände in Produktionsbetrieben. Dazu zählen traurige Berichte über Kinderarbeit oder massive Umweltzerstörungen sowie Mängel in der Arbeitssicherheit. Einer der dramatischsten Vorfälle in den letzten Jahren ereignete sich 2013, als über 1.000 Menschen beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch starben.

Unternehmen stehen in der rechtlichen, aber auch moralischen Pflicht, mangelhafte Arbeitsbedingungen nicht nur im eigenen Haus zu beseitigen, sondern ebenfalls in ihrer Lieferkette. Sie müssen alles daran setzen, Verstöße – wo auch immer auf der Welt – zu vermeiden.

Im Webinar beschäftigt sich Dr. Kai Schumacher, Rechtsanwalt und vormals Chief Compliance Officer eines deutsch-französischen Einkaufs-Joint Ventures, mit der Frage, wie Unternehmen hinsichtlich ihrer Lieferantenauswahl vorgehen sollten, um eine ethisch einwandfreie Supply Chain sicherzustellen und damit zusätzlich die Rahmenbedingungen für Mensch und Umwelt vor Ort zu verbessern.

Wir stellen Ihnen die gezeigte Präsentation sowie die Antworten auf die Fragen aus dem Webinar gerne zur Verfügung. Falls Sie das Webinar verpasst haben, können Sie sich hier außerdem die Aufzeichnung ansehen:

Referent & Moderator

Dr. Kai Schumacher, RechtsanwaltReferent:

Dr. Kai Schumacher, Rechtsanwalt, war Chief Compliance Officer eines deutsch-französischen Einkaufs-Joint Ventures mit Sitzen in Paris und Bonn. Er war für alle Compliance-Themen wie Kartellrecht, Anti-Korruption, Datenschutz, IT Sicherheit und Corporate Social Responsibility sowie für weitere Rechtsgebiete wie Gesellschaftsrecht und Governance verantwortlich. Zuvor nahm er im Konzern Deutsche Telekom verschiedene Führungspositionen ein, unter anderem als Mitglied der Geschäftsleitung eines Personalbereichs und als Leiter einer Aufsichtsratsgeschäftsstelle.

Nach dem Jurastudium an der Universität Bayreuth und an der Washington & Lee University, Virginia, USA, promovierte Kai Schumacher an der Universität Rostock im Kartell- und Umweltrecht. Er ist ebenfalls Wirtschaftsjurist (Univ. Bayreuth). Kai Schumacher veröffentlicht regelmäßig Aufsätze in deutschen und französischen Fachzeitschriften und unterrichtet an der Université Paris 2 Panthéon Assas.

Moderator:Salvatore Saporito

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance, im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie in der American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.

Ihre Fragen aus dem Webinar beantwortet von Dr. Kai Schumacher und Salvatore Saporito

Wir haben für Sie die Fragen und Antworten aus unserem Webinar zusammengefasst. Bei weiteren Anfragen, können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen


Inwiefern glauben Sie, dass interne Risiken im Lagebericht nach der neuen CSR Umsetzungsrichtlinie aufgenommen werden?

Dr. Kai Schumacher: Da das Gesetz insoweit eindeutig ist, sind CSR-Aspekte im Lagebericht aufzunehmen. In der Praxis kann man alternativ auf die bisherigen Nachhaltigkeitsberichte zurückgreifen, wenn diese zusammen mit dem Lagebericht offengelegt werden oder in diesem darauf verwiesen wird.

Inwiefern sind wir verpflichtet, unsere Zulieferer zu auditieren, um Risiken zu identifizieren?

Dr. Kai Schumacher: Wenn Sie spezifische Risiken bei Ihren Lieferanten sehen, sollten Sie diese eng begleiten und überwachen, damit diese Risiken nicht eintreten. Unabhängig von einer Pflicht zu einem bestimmten „Audit" sollte es Ihr Eigeninteresse sein, dass ein solcher Lieferant nicht negativ auf Sie „abfärbt".

Wird im Rahmen des neuen CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes ein nichtfinanzielles Risiko nicht sehr schnell ein finanzielles Risiko? Ein Reputationsrisiko wird doch - sofern es eintritt - immer zu einem Umsatz- beziehungsweise EBITDA-Risiko.

Dr. Kai Schumacher: Klares Ja! Ein „ramponiertes" Image führt direkt zu finanziellen Kosten wie erhöhte Kommunikations- beziehungsweise Marketingausgaben, unter Umständen auch Prozesskosten, und beeinträchtigt ebenfalls den Umsatz beträchtlich.

Wie erklären Sie sich, dass immer wieder namhafte Unternehmen in die Kritik geraten? Liegt es eher an mangelnder Priorisierung ethischer Thematiken oder daran, dass entsprechende Einblicke in die Lieferketten wirklich fehlen?

Dr. Kai Schumacher: Ich sehe mehrere Aspekte. Aufgrund der Komplexität insbesondere von Großunternehmen und einer weit verzweigten Lieferkette liegt nicht immer eine ausreichende Transparenz über alle (Vor-)Lieferanten vor. An einer „verbalen" Priorisierung ethischer Themen mangelt es dagegen kaum. Vielmehr ist entscheidend, wie man sie in Praxis konsequent umsetzt. Am anschaulichsten kann man es daran festmachen, ob Unternehmen tatsächlich bereit beziehungsweise in der Lage sind, in CSR durch beispielsweise erhöhte Einkaufspreise zu investieren. 

Wir sind strikt an Ausschreibungen gebunden. Inwieweit kann ein Lieferant deswegen abgelehnt werden. Sind wir für Verstöße (zum Beispiel Kinderarbeit) nachweispflichtig?

Dr. Kai Schumacher: Wenn Sie bei einem Lieferanten von einem hohen Risiko ausgehen, müssen Sie diesen eng begleiten und überwachen, damit sich das vermutete Risiko gerade nicht realisiert. Wenn Verstöße wie zum Beispiel Kinderarbeit bekannt werden, die der Lieferant nicht unmittelbar und nachvollziehbar abstellt, sollten Sie die Vertragsbeziehung unverzüglich beenden. In der Regel sind in der CSR-Klausel oder in den Einkaufsbedingungen entsprechende Regelungen enthalten. Ansonsten laufen Sie Gefahr, in den „Strudel" mitreingerissen zu werden, dies gilt sowohl in finanzieller als auch nichtfinanzieller Hinsicht. In der Praxis erscheint es ratsam, perspektivisch die Ausschreibungsbedingungen so zu ändern, dass CSR-Aspekte deutlich mehr gewichtet werden, um gerade auf „seriösere" Lieferanten zurückgreifen zu können. Ein (moderater) Kostenanstieg ist wahrscheinlich, lohnt sich aber.

Wie genau erhalte ich über die Tools von LexisNexis Einblicke in die Lieferkette, um zum Beispiel einen wie den erwähnten Fall bei Haribo zu vermeiden?

Salvatore Saporito: Lexis Diligence® ist ein webbasiertes Compliance-Tool für Geschäftspartner-Analysen, mit dem Sie über eine nutzerfreundliche Oberfläche Ihre Geschäftspartner gegen Sanktions- und PEP-Listen, Firmendatenbanken, Biografien, Rechtsurteile sowie internationale Nachrichtenquellen abgleichen können.

Know Your Business Partner: Schützen Sie nicht nur Ihr Unternehmen und werden nationalen und internationalen Compliance-Gesetzen und -Richtlinien gerecht, sondern vermeiden Sie es auch, mit Wirtschaftskriminalität wie Geldwäsche, Korruption oder Bestechung in Verbindung zu geraten. Denn Wirtschaftskriminalität ist kein Kavaliersdelikt. Unternehmen und ihren Vertretern, die ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachkommen, drohen enorme Geldstrafen und Freiheitsentzug.

LexisNexis® Entity Insight als weitere Lösungsoption ist eine schnelle und effiziente Lösung zur proaktiven Risikoananalyse von lokalen sowie globalen Lieferanten und Geschäftspartnern. Im Gegensatz zu einer regulären Medienbeobachtung von Negativmeldungen bietet Entity Insight ein umfassendes Spektrum an Market-Intelligence-Inhalten aller PESTEL-Kategorien, die im frei verfügbaren Internet oft nicht zugänglich sind oder hinter Paywalls verborgen liegen - und das fast in Echtzeit. 

PESTEL steht dabei für Political, Economic, Social, Technological, Environmental und Legal. Dazu zählen Informationen zum gesamten Marktumfeld wie Naturkatastrophen, regulatorische Veränderungen, Produktrückrufe, ethische Probleme, Korruption, Finanzkriminalität, Reputationsrisiken, Länderrisiken und vieles mehr.

Das sagten bisherige Teilnehmer über LexisNexis Webinare

Vielen Dank! Sehr guter Vortrag, gute Geschwindigkeit, angenehme Sachlichkeit.

Gutes Instrument für Weiterbildung.

Hohe Aktualität, guter Referent.

Sehr informativ und gutes Format.

Thema wurde gut strukturiert und verständlich angeboten.

Eine sehr gute Einrichtung! Vortrag war sehr aufschlussreich und hilfreich!

Praktische Form des 'Lernens' - Danke!

Sehr gute, zeitschonende und informative Art des Informationsaustausches - Danke und weiter so.

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