LexisNexis Studie: „Past, Present + Future of Information Management"

PRESENT

Die Abteilung Digitale Bibliothek gehört zur Bibliothek der Wissenschaften und der Industrie (BSI, Cité des sciences – Universcience) und wurde im Jahr 2008 gegründet. Sie besteht aus acht Personen mit einer Ausbildung im Bereich Informationsverarbeitung/Dokumentation. Einige von ihnen haben außerdem einen wissenschaftlichen Hintergrund. Sie hat zwei Aufgaben: Erstens die Erarbeitung von Online-Content und Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Verwendung der digitalen und der Printmedien sowie zweitens die Aufwertung des wissenschaftlichen Erbes der Institution in der breiten Öffentlichkeit mithilfe der digitalen Bibliothek Scientifica.

Olivier Roumieux hat die Leitung der digitalen Bibliothek im April 2012 übernommen. Er verfügt über viel Erfahrung im Informationsmanagement, die er bei der Organisation ADBS (Redakteur Multi-Support), der Documentation Française (Website-Administrator), beim Journal Archimag (Journalist), der Kanzlei Serda (Berater/Ausbilder) und in der Bibliothek der polytechnischen Hochschule (Bibliothekar) erworben hat.

Die aktuelle Rolle der Bibliothek besteht darin, der breiten Öffentlichkeit Informationsquellen zur Verfügung zu stellen. Sie bietet so einen Bestand von etwa 120.000 Dokumenten – Bücher, digitale Bücher, Zeitschriften, Filme, CD-Roms, DVDs und Videos – aus dem wissenschaftlichen und technischen Bereich. Das Publikum kann auch bestimmte Fachdatenbanken konsultieren, wie Techniques de l'Ingénieur oder EM Premium.

Die Abteilung Digitale Bibliothek entwickelt eigene Angebote, beispielsweise Dossiers mit dokumentarischem Charakter oder zu aktuellen Themen. Dazu nutzt sie den öffentlich zugänglichen Bestand der Bibliothek der Wissenschaften und der Industrie, aber auch frei zugängliche Quellen im Internet. In Zusammenarbeit mit allen Bibliothekaren gibt die Abteilung auch Empfehlungen ab, sei es in Form einer thematischen Auswahl oder indem sie die „Leckerbissen" aus den Neuerscheinungen herausfiltert.

Aber die Website allein genügt nicht mehr. Wie andere Bibliotheken verbreitet auch die Bibliothek der Wissenschaften und der Industrie ihre Inhalte über soziale Netzwerke. In einem System, in dem physische Grenzen mithilfe von Online-Diensten überwunden werden können, besteht die Idee darin, alle virtuellen Räume zur Begegnung mit Internetusern zu nutzen, die möglicherweise die Bestände und Dienste der Bibliothek in Anspruch nehmen möchten.

Instrumente für die „digitale Vermittlung" werden geprüft (z.B. Wettbewerbe, kooperative Schaffung von Content) und sollen über die einfache institutionelle Kommunikation hinausgehen, um die Bibliotheken wieder in den Mittelpunkt der Übertragung und Teilung von Wissen zu stellen.

PAST

In ihrer allgemeinen Bedeutung bestand die Rolle der Bibliothek bis vor ein paar Jahren in der traditionellen Vermittlung von Informationen und Wissen an die breite Öffentlichkeit. Deren wirkliche Besonderheiten und vor allem deren Erwartungen waren ihr aber unbekannt. Dank ihrer umfangreichen Bestände verfügte die Bibliothek zwangsläufig über ein Quasimonopol in der breiten Öffentlichkeit, insbesondere was die Recherche von wissenschaftlichen und technischen Informationen im Bereich der BSI (Bibliothek der Wissenschaften und der Industrie) betraf. Eine Situation, die offensichtlich von der Demokratisierung durch das Internet in Frage gestellt wird.

FUTURE

Eine der ersten Herausforderungen für Bibliotheken in der Zukunft ist die bessere Kenntnis der verschiedenen Nutzerkategorien (Kinder, Studenten, Familien, Berufstätige, Forscher, oder Senioren), um ihre Angebote und Dienste besser an die stark diversifizierten Anforderungen anzupassen. Dank neuer Onlinetools wie sozialer Netzwerke können diese Kenntnisse immer feiner verzweigt sein. Aber die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Strategie der Bibliotheken vom Angebot auf die Nachfrage auszurichten und dabei einen einheitlichen Service für die breite Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten, der nicht den Versuchungen des Partikularismus und anderer Kommunitarismen erliegt.

So ist es möglich, Dienste mit beschränktem, gesponsertem oder kostenpflichtigem Zugriff zu entwerfen. Diese Ausweitung des wirtschaftlichen Modells muss aber gelingen, ohne die grundlegenden Aufgaben aus den Augen zu verlieren: die Bereitstellung von Informationen an einen möglichst großen Nutzerkreis sowie technologische Neutralität.

Diese größere Nähe zum Publikum wird sich in der Architektur der Bibliotheken widerspiegeln, die verschiedene Einrichtungen (Räume, große Tische, Einzelplätze oder Boxen für Gruppen) und Umgebungen (still, ruhig, laut) umfassen muss, die genau auf verschiedene Nutzungsprofile (Studium, Forschung, Vergnügen, Geselligkeit) zugeschnitten sind.

Die Abfrage vor Ort und die Abfrage über das Internet werden in Zukunft eng miteinander verflochten sein und die Nutzer werden ohne irgendwelche Brüche einfach und intuitiv von einer Ebene zur anderen wechseln, von einer Papierquelle zu einer digitalen Quelle.

Da das Know-how nicht mehr bei Experten im herkömmlichen Sinne liegt, die im dokumentarischen Bestand gut vertreten sind, sondern auch bei Fachleuten vorliegt, die über das Netz verteilt sind, muss die Bibliothek viel offener werden, dabei aber rigoros in der Auswahl und Prüfung von Quellen bleiben.

In dieser Hinsicht besteht eine der Herausforderungen für Bibliotheken darin, sich angesichts des Überflusses an Informationen aus dem Internet und sozialen Netzwerken zu einem Berater zu entwickeln. Ohne ein Ersatz für die Schule zu werden, hat die Bibliothek auch eine pädagogische Aufgabe im Hinblick auf die Informationskultur (information literacy): Informationsrecherche, Qualität und Überschneidung von Quellen usw.

Die Bibliotheken müssen sicherlich eine führende Rolle übernehmen, indem sie beispielsweise zulasten geschützter Quellen, die sich schlecht teilen lassen, bestimmte offene Quellen vorziehen. Sie werden weiterhin für möglichst viele Nutzer den Zugang zu Quellen mit hohem Mehrwert wie Fachdatenbanken sicherstellen.

Wenn alles gut läuft (!), wird die Bibliothek im Jahr 2025 den Mix aus Präsenz und Fernzugang sowie die Öffnung ihrer physischen und digitalen Bestände erreicht haben und zahlreiche Dienste für verschiedene Gruppen anbieten können, die besser abgestimmt und somit näher am Nutzer sind. Kurz gesagt: Will man das eigene Wissen ausbauen, wird kein Weg an ihr vorbeiführen.

1 Dieser Beitrag ist eine fachliche Stellungnahme, für die die Leitung der Institution Universcience in keiner Weise haftet.


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